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Wie das Problem verlassener Seeleute gelöst werden kann

27. Oktober 2025
2604
Allgemeine Beschäftigungsangelegenheiten (3)

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Wie man das Problem verlassener Seeleute löst

Internationale Standards, rechtliche Mechanismen und Besatzungsschutz Das Problem der verlassenen Seeleute ist eine der ernsthaftesten Herausforderungen im modernen maritimen Arbeitsrecht.
Jedes Jahr werden Hunderte von Besatzungsmitgliedern auf Schiffen zurückgelassen — ohne Löhne, Treibstoff, Nahrung oder Möglichkeiten, nach Hause zurückzukehren.
Reeder verschwinden, Unternehmen gehen bankrott, und Seeleute werden zurückgelassen, isoliert und hilflos, weit entfernt von ihren Familien und rechtlicher Unterstützung.

1. Definition von Verlassenwerden

Gemäß der IMO/ILO-Resolution und MLC 2006 Regel 2.5 gilt ein Seemann als verlassen, wenn der Reeder:

  • die Löhne für mindestens zwei Monate nicht zahlt;

  • keine Nahrung, Wasser, Treibstoff, medizinische Versorgung oder Repatriierung bereitstellt;

  • das Schiff ohne ordnungsgemäße Benachrichtigung oder Ersatz durch die Flaggenbehörden verlässt.

Stand 2024 hat die IMO-ILO-Datenbank weltweit über 1.300 bestätigte Fälle von Verlassenwerden erfasst.

2. Ursachen für das Verlassenwerden

Die Hauptursachen sind finanzielle Insolvenz oder Fahrlässigkeit der Reeder, aber tiefere systemische Probleme umfassen:

  • Systeme offener Register („Billigflaggen“) mit schwacher Aufsicht;

  • Briefkastenfirmen mit verstecktem Eigentum;

  • mangelndes Bewusstsein über P&I-Deckung bei der Besatzung;

  • schlechte Aufsicht durch Flaggenstaaten und Hafenstaaten;

  • langwierige Bürokratie bei der Lohnrückforderung und Repatriierung.

3. Internationaler Schutzrahmen

a) Das Seearbeitsübereinkommen (MLC 2006)

Gemäß Norm A2.5.2 muss jeder Reeder eine finanzielle Sicherheit vorhalten, um Folgendes abzudecken:

  • nicht gezahlte Löhne (bis zu 4 Monate);

  • Nahrung, Wasser, Treibstoff und medizinische Versorgung;

  • Repatriierung in das Heimatland des Seemanns;

  • Rückgabe persönlicher Gegenstände.

Dies wird durch ein Zertifikat über die finanzielle Sicherheit nachgewiesen, das von einem P&I-Club ausgestellt wird und an Bord mitgeführt werden muss.

b) IMO- und ILO-Mechanismen

Beide Organisationen unterhalten eine globale Datenbank über Verlassenwerden und koordinieren gemeinsame Reaktionen durch die Dreigliedrige Arbeitsgruppe über das Verlassenwerden von Seeleuten, um schnelle Hilfe und Verbesserungen der Richtlinien zu gewährleisten.

c) Rolle der ITF

Die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) bietet direkte Unterstützung durch ihre Inspektoren in Häfen, die Rechtshilfe, Nahrung, Repatriierung und Lohnrückforderung durch den ITF Seafarers' Trust Fund anbieten.

4. Sofortmaßnahmen für verlassene Besatzungen

Wenn es zum Verlassenwerden kommt, sollte die Besatzung:

  1. Den nächsten ITF-Inspektor kontaktieren oder online über itfseafarers.org melden;

  2. Den Flaggenstaat und die Hafenstaatbehörde benachrichtigen;

  3. Das Zertifikat über die finanzielle Sicherheit vorlegen, um Deckung zu beanspruchen;

  4. Alle Beweise dokumentieren (Fotos, Logbuch, Besatzungsaussagen);

  5. An Bord bleiben, bis eine ordnungsgemäße rechtliche Beratung erfolgt ist, um die Rechte zu wahren.

5. Verantwortlichkeiten der Reeder

Reeder müssen:

  • gültige Zertifikate über die finanzielle Sicherheit gemäß MLC 2006 vorhalten;

  • klare Heuerverträge (SEA) abschließen;

  • Nahrung, Wasser, Sicherheit und Kommunikation an Bord bereitstellen;

  • in Notfällen umgehend mit dem P&I-Club zusammenarbeiten.

Nichtbeachtung führt zu Festhaltung, Geldstrafen, Flaggenentzug und Reputationsverlust.

6. Präventive Maßnahmen

Um Verlassenwerden zu vermeiden, sollten Seeleute und Manager:

  • die Reputation des Reeders und MLC-Zertifikate überprüfen;

  • nur mit lizenzierten Crewing-Agenturen zusammenarbeiten;

  • digitale Kopien von Verträgen und Dokumenten aufbewahren;

  • vor dem Dienstantritt eine Kopie des Zertifikats über die finanzielle Sicherheit anfordern;

  • in Kontakt mit einer Seefahrergewerkschaft oder einem ITF-Kontakt bleiben.

7. Gemeinsame Verantwortung

Die Lösung erfordert gemeinsame Anstrengungen:

  • Flaggenstaaten — umgehend auf Besatzungsbeschwerden reagieren;

  • Hafenstaaten — Schiffe in nachgewiesenen Fällen von Verlassenwerden festhalten;

  • Reeder — transparente Lohnzahlungssysteme unterhalten;

  • ITF und IMO — den globalen Notfall-Hilfsfonds für Seeleute stärken.

8. Fazit

Das Verlassenwerden von Seeleuten ist nicht nur ein Rechtsverstoß — es ist ein moralisches Versagen der maritimen Industrie.
Echte Reform erfordert Transparenz, strenge MLC-Durchsetzung und Solidarität zwischen Reedern, Gewerkschaften und Regierungen.
Jeder Seemann muss sicher sein: Seine Arbeit, seine Würde und sein Leben auf See werden niemals im Stich gelassen.


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