Feiertage und Ruhetage an Bord: Wie sie geregelt und in der Praxis angewendet werden
Feiertage und Ruhetage an Bord: Wie sie geregelt und in der Praxis angewendet werden
19. Oktober 2025
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Beschäftigungsbedingungen für Seeleute (21)
Feiertage und Ruhetage an Bord: Regelung und praktische Anwendung
Warum dieses Thema wichtig ist
Für die meisten landgestützten Berufe bedeutet ein Feiertag oder Wochenende Ruhe und arbeitsfreie Zeit. Auf See ist die Situation anders — Schiffe arbeiten rund um die Uhr, und Navigation, Sicherheit und Wartung können nicht für ein Kalenderdatum unterbrochen werden. Dennoch verlangt das internationale Seearbeitsrecht, dass Seeleute eine faire Vergütung und angemessene Ruhe erhalten, selbst wenn sie an Feiertagen oder Wochenenden arbeiten.
Rechtlicher Rahmen
Das Konzept der Feiertage und Ruhetage für Seeleute wird durch mehrere wichtige internationale Instrumente geregelt:
1. Seearbeitsübereinkommen (MLC 2006)
Regel 2.2 (Heuer) — Über die normalen Stunden hinausgehende Arbeit muss mit mindestens dem 1,25-fachen des Grundstundenlohns vergütet werden.
Regel 2.3 (Arbeits- und Ruhezeiten) — Höchstgrenzen: 14 Stunden in jedem 24-Stunden-Zeitraum und 72 Stunden in jedem Sieben-Tage-Zeitraum; Mindestruhezeit: 10 Stunden in 24 Stunden.
Arbeit an Feiertagen gilt als Überstundenarbeit und muss entsprechend vergütet werden.
2. ILO-Übereinkommen C180 (Übereinkommen über die Arbeitszeit der Seeleute und die Besatzungsstärke, 1996)
Bestätigt ähnliche Grenzen für die Arbeitszeit und verlangt eine ordnungsgemäße Dokumentation der Arbeits- und Ruhezeiten.
3. STCW-Code (Abschnitt A-VIII/1)
Verlangt genaue Aufzeichnungen der Ruhezeiten. Wenn die an einem Feiertag geleistete Arbeit die erforderliche Mindestruhezeit reduziert, muss Ausgleichsruhe gewährt werden.
4. Tarifverträge (CBA)
Von Gewerkschaften ausgehandelte Tarifverträge (wie ITF- oder IBF-Vereinbarungen) umfassen normalerweise:
eine feste Liste der Feiertage (typischerweise 10–12 Tage pro Jahr);
eine Klausel, dass Arbeit an diesen Tagen zum Überstundensatz vergütet wird;
garantierte Mindestüberstunden für Mannschaften;
konsolidierte Gehälter für Offiziere (einschließlich Feiertagsausgleich).
Feiertage vs. Ruhetage
Die Begriffe "Feiertag" und "Ruhetag" sind im Seefahrtsdienst nicht gleich.
Feiertag — ein bestimmtes Datum, das durch den Flaggenstaat, den Tarifvertrag oder die Unternehmensrichtlinie festgelegt ist. An diesem Datum geleistete Arbeit wird zum Überstundensatz vergütet.
Ruhetag (wöchentlicher Ruhetag) — kein fester Wochentag, sondern die Einhaltung der von MLC und STCW festgelegten Mindestruhezeiten. Die Ruhezeit kann in mehrere Abschnitte aufgeteilt werden, muss aber insgesamt mindestens 77 Stunden pro Woche betragen.
In der Praxis bedeutet ein Feiertag keinen arbeitsfreien Tag, sondern einen Tag mit besonderer Ausgleichsregelung.
Festlegung der Feiertagsliste
Tarifvertrag (CBA) Definiert normalerweise 10–12 internationale Feiertage (z.B. Neujahr, Weihnachten, Tag der Arbeit).
Flaggenstaatsrecht Wenn kein Tarifvertrag gilt, bestimmt das Recht des Flaggenstaats die offiziellen Feiertage.
Unternehmens- oder Managerrichtlinie Einige Unternehmen können zusätzliche Daten aufnehmen, dürfen aber die durch internationale Übereinkommen festgelegten Mindestrechte nicht einschränken.
Für multinationale Besatzungen gilt eine einheitliche Liste — die im Seearbeitsvertrag (SEA) oder Tarifvertrag aufgeführte. Nationale Feiertage einzelner Besatzungsmitglieder werden normalerweise nicht als bezahlte Feiertage an Bord anerkannt.
Wie Feiertagsarbeit vergütet wird
In der Seefahrtspraxis gibt es zwei Hauptvergütungssysteme:
1. Separates Überstundensystem (Mannschaften)
Alle über 48 Stunden pro Woche hinausgehenden Arbeitsstunden werden als Überstunden vergütet (mindestens das 1,25-fache des Grundlohns).
Arbeit an Feiertagen wird zum Überstundensatz vergütet, zusätzlich zu garantierten Überstunden (typischerweise 85–103 Stunden pro Monat).
Jede an einem Feiertag geleistete Stunde muss ordnungsgemäß aufgezeichnet werden.
2. Konsolidiertes Gehaltssystem (Offiziere)
Das Monatsgehalt enthält bereits die Vergütung für Überstunden, Arbeit an Feiertagen, Wochenenden und Nachtschichten.
Es gibt keine separate "Feiertagsvergütungs"-Zeile auf Gehaltsabrechnungen.
Allerdings gelten die Arbeits-/Ruhezeitgrenzen weiterhin, und bei Überschreitung muss Ausgleichsruhe gewährt werden.
Aufzeichnung und Einhaltung
Gemäß MLC- und STCW-Anforderungen:
Alle Arbeits- und Ruhezeiten müssen in einer Arbeits-/Ruhezeitenaufzeichnung dokumentiert werden.
Die Aufzeichnungen müssen wöchentlich vom Seemann und dem Kapitän (oder Ersten Offizier) unterzeichnet werden.
MLC-Inspektionen prüfen nicht nur die Dokumentation, sondern auch, ob die Aufzeichnungen die tatsächlichen Arbeitsbedingungen widerspiegeln.
Anhaltende Verstöße oder gefälschte Aufzeichnungen können bei Hafenstaat- oder MLC-Inspektionen zu Mängeln oder Nichtkonformitäten führen.
Wie es in der Praxis funktioniert
Reedereien wenden diese Regeln je nach Betrieb mit gewisser Flexibilität an:
Wenn das Schiff im Hafen liegt, können nicht wesentliche Arbeiten verschoben werden, um Ruhe zu ermöglichen.
Während der Reise oder bei Ladungsoperationen geht die Arbeit normal weiter, und der Ausgleich erfolgt durch Überstundenvergütung oder Freizeitausgleich.
Einige interne Unternehmensrichtlinien legen fest, dass Feiertagsarbeit immer zum Überstundensatz vergütet wird, auch für Offiziere mit konsolidiertem Gehalt.
Gewerkschaften und Tarifverträge spielen eine zentrale Rolle beim Schutz der Rechte von Seeleuten, indem sie sicherstellen:
eine klare Liste anerkannter Feiertage;
höhere Vergütung für an diesen Tagen geleistete Arbeit;
transparente Aufzeichnung und Überprüfung der Stunden;
ein Gleichgewicht zwischen fairer Bezahlung und Sicherheit an Bord.
Auf ITF/IBF-abgedeckten Schiffen kann die Nichteinhaltung dieser Bestimmungen zu einer offiziellen Anmerkung oder Nichtkonformität führen, aber in den meisten Fällen konzentrieren sich die Gewerkschaften darauf sicherzustellen, dass sowohl das Unternehmen als auch die Besatzung die internationalen Standards einhalten, anstatt Einzelfälle zu bestrafen.
Fazit
Arbeit an Feiertagen und Wochenenden ist ein unvermeidlicher Teil des Seefahrtslebens. Das internationale Recht verbietet sie nicht — aber es verlangt strikt:
faire Bezahlung für tatsächlich geleistete Stunden;
Einhaltung der obligatorischen Ruhezeitgrenzen;
transparente und überprüfbare Aufzeichnungen.
In der Praxis wird dies durch zwei Systeme erreicht:
Separate Überstundenvergütung für Mannschaften;
Konsolidierte Gehälter für Offiziere.
Beide Modelle sind nach dem MLC gültig, vorausgesetzt, dass Arbeitszeiten, Ruhezeiten und Vergütung korrekt aufgezeichnet werden. Letztendlich stellen diese Regeln sicher, dass Seeleute selbst bei kontinuierlichem Betrieb fair behandelt, vor Ermüdung geschützt und gemäß dem internationalen Seearbeitsrecht entschädigt werden.