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Was bedeutet "+/- 1 Monat" im Vertrag eines Seemanns - und wer kontrolliert es tatsächlich

17. Oktober 2025
2891
Beschäftigungsbedingungen für Seeleute (21)

Seafarer's Contract.jpg

Was bedeutet "+ / - 1 Monat" im Vertrag eines Seemanns — und wer kontrolliert es tatsächlich

Der Ausdruck "+ / - 1 Monat", der oft im Abschnitt Beschäftigungszeitraum eines Seearbeitsvertrags (SEA) zu finden ist, ist einer der häufigsten — und am meisten missverstandenen — Begriffe in maritimen Verträgen.
Viele Seeleute glauben, dass diese Flexibilität gleichermaßen für beide Parteien gilt.
In Wirklichkeit existiert diese Klausel zum Vorteil des Reeders, nicht des Seemanns, wie im Seearbeitsübereinkommen (MLC 2006) und den ITF/IBF-Tarifverträgen definiert.

1. Was "+ / - 1 Monat" tatsächlich bedeutet

Wenn ein Vertrag "6 Monate (+/-1 Monat)" angibt, bedeutet dies:

  • der Grunddienstzeitraum beträgt 6 Monate;

  • der Reeder hat das Recht, ihn um einen Monat zu verkürzen (insgesamt 5 Monate) oder um einen Monat zu verlängern (bis zu 7 Monaten).

Diese Flexibilität hängt von betrieblichen Erfordernissen ab — Reiseplänen, Besatzungswechselhafen, Visa- oder Reisebeschränkungen, Wetterbedingungen oder kommerziellen Gründen.☛ Es ist entscheidend zu verstehen:
diese Klausel ist nicht das Recht des Seemanns, sondern vielmehr das betriebliche Ermessen des Reeders.
Mit der Unterzeichnung des Vertrags stimmt der Seemann dieser möglichen Variation zu.
Die "+/-1 Monat"-Formel existiert ausschließlich zum Schutz des Reeders und um rechtliche Flexibilität zu bieten, wenn Besatzungswechsel nicht genau nach Zeitplan erfolgen können.

2. Rechtliche Grundlage: Das Seearbeitsübereinkommen (MLC 2006)

Gemäß Regel 2.1 "Seearbeitsverträge" muss jeder SEA angeben:

  • die Dienstdauer an Bord,

  • die Bedingungen für Verlängerung oder Kündigung,

  • und das Recht des Seemanns auf Heimschaffung am Ende des vereinbarten Zeitraums.

Standard A2.5.2 (b) des MLC 2006 besagt klar:

Der maximale Zeitraum ununterbrochenen Dienstes an Bord, nach dem ein Seemann Anspruch auf Heimschaffung hat, muss weniger als 12 Monate betragen.

In der Praxis bedeutet dies, dass der Seemann innerhalb von 12 Monaten nach Betreten des Schiffes heimgeschafft werden muss.
Daher ist eine "+/-1 Monat"-Variation nur gültig, wenn:

  • sie klar im SEA angegeben wurde,

  • und der Seemann bei der Unterzeichnung informierte Zustimmung gab.

Jede Verlängerung über 12 Monate hinaus ohne schriftliche Zustimmung des Seemanns stellt einen Verstoß gegen das MLC dar und kann als unrechtmäßige Festhaltung an Bord behandelt werden.

3. ITF- und IBF-Position

Die Internationale Transportarbeiter-Föderation (ITF) und das International Bargaining Forum (IBF) erkennen den "+/-1 Monat"-Begriff als ein Managementrecht an, das dem Reeder gehört.
Die typische ITF/IBF-Klauselformulierung lautet:

"Normale Beschäftigungsdauer: 6 Monate (+/-1 Monat nach Ermessen des Reeders)."

Die Schlüsselphrase — nach Ermessen des Reeders — definiert, dass die Flexibilität nur für den Reeder gilt, nicht für den Seemann.
Allerdings bieten ITF- und IBF-Tarifverträge auch Schutz für den Seemann:

  • jede Verlängerung muss schriftlich dokumentiert werden;

  • der Seemann behält das Recht auf Heimschaffung nach der vereinbarten Grundlaufzeit;

  • alle zusätzlichen Tage müssen anteilig zum Gehalt und Urlaubsanspruch bezahlt werden;

  • und die Gesamtdienstzeit darf 12 Monate nicht überschreiten.

4. Warum Unternehmen "+ / - 1 Monat" verwenden

Der Schiffsbetrieb ist unvorhersehbar — Fahrpläne, Häfen und Charterverpflichtungen ändern sich ständig.
Wetterverzögerungen, Visaprobleme oder Mangel an Ablösebesatzung können auch die Besatzungsrotation beeinflussen.
Daher dient die "+/-1 Monat"-Klausel mehreren wesentlichen Funktionen:

  • ermöglicht rechtliche Flexibilität bei der Planung von Besatzungswechseln,

  • verhindert formelle Vertragsverletzungen aufgrund betrieblicher Verzögerungen,

  • und gewährleistet die Einhaltung von MLC- und IBF-Standards ohne Risiko von Strafen.

Kurz gesagt, es ist ein praktisches Werkzeug, das die realen Bedingungen der Schifffahrtsindustrie widerspiegelt.

5. Rechte der Seeleute innerhalb von "+/-1 Monat"

Obwohl diese Klausel das Unternehmen begünstigt, bleiben die Kernrechte des Seemanns gemäß MLC und ITF geschützt:✅ Der Seemann hat das Recht auf Heimschaffung innerhalb von 12 Monaten nach dem Einschiffen.
✅ Jede Verlängerung über den vereinbarten Bereich hinaus erfordert schriftliche Zustimmung.
✅ Zusätzliche Tage müssen vollständig vergütet werden.
✅ Erzwungene Zurückhaltung über 12 Monate hinaus stellt einen MLC-Verstoß dar.
✅ Der Seemann kann über ITF oder den Flaggenstaatsvertreter eine Beschwerde einreichen, wenn er gegen seinen Willen an Bord festgehalten wird.

6. Was Seeleute verstehen sollten

  • "+/-1 Monat" ist kein Vorteil, sondern ein Recht des Reeders, die Dauer anzupassen.

  • Der Seemann sollte diese Klausel vor der Unterzeichnung sorgfältig lesen und verstehen.

  • Wenn er nicht verlängern möchte, muss der Seemann das Unternehmen vor Ende der Hauptlaufzeit formell benachrichtigen.

  • Alle Änderungen sollten schriftlich festgehalten und im Seefahrtsdienstnachweis bestätigt werden.

7. Fazit

Die "+ / - 1 Monat"-Klausel handelt nicht von geteilter Flexibilität — sie ist ein betriebliches Managementwerkzeug, das die Fähigkeit des Reeders schützt, unvorhersehbare Schifffahrtsbedingungen zu bewältigen, während es innerhalb internationaler Arbeitsstandards bleibt.Dennoch hat gemäß MLC 2006 jeder Seemann Anspruch auf:

  • Heimschaffung spätestens 12 Monate nach Einschiffen;

  • freiwillige Zustimmung zu jeder Vertragsverlängerung;

  • und volle Bezahlung für alle zusätzlichen Dienstzeiten.

Das Verständnis dieser Klausel befähigt Seeleute, ihre Rechte zu kennen und verhindert Fehlinterpretationen.
Denken Sie daran: "+/-1 Monat" gehört nicht dem Seemann — es gehört dem Reeder, begrenzt durch Gesetz, Respekt und faire Praxis.


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